Anaphylaxie und EpiPen: Anaphylaktischen Schock erkennen und in den ersten fünf Minuten richtig handeln

Es gibt eine allergische Reaktion, die schneller tötet, als der Notarzt eintreffen kann. Sie heißt Anaphylaxie, und nur wenige Minuten trennen sie von einem gewöhnlichen Anfall von Heuschnupfen oder Nesselsucht. Die forensischen Daten sind unerbittlich: Die Hälfte aller tödlichen Anaphylaxie-Fälle stirbt innerhalb einer Stunde nach Allergenkontakt, und in sieben von zehn dieser Todesfälle bekam die betroffene Person nicht rechtzeitig Adrenalin. Sie hatte den Autoinjektor nicht dabei, traute sich nicht, ihn zu benutzen, oder das Umfeld wartete ab, was passiert. Dieser Artikel gibt Ihnen, was im Ernstfall ein Leben retten kann – klare diagnostische Kriterien, ein einfaches Erste-Hilfe-Protokoll und einen praktischen Überblick über die Adrenalin-Autoinjektoren, die in Deutschland und Europa derzeit verfügbar sind.

 

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Anaphylaxie ist eine lebensbedrohliche systemische Reaktion, die sich innerhalb von Minuten nach Allergenexposition entwickeln kann – bis zu 50 % der tödlichen Fälle versterben innerhalb der ersten Stunde.
  • Adrenalin in den Oberschenkelmuskel ist die einzige Behandlung, die über Leben und Tod entscheidet. Antihistaminika und Kortikosteroide wirken in der Akutphase viel zu langsam.
  • EpiPen, Jext und Fastjekt sind die in Deutschland und Österreich gängigsten Autoinjektoren. Risikopatienten sollten immer zwei Geräte bei sich tragen – das erste kann versagen oder nicht ausreichen.
  • EURneffy – das Adrenalin-Nasenspray – wurde im August 2024 in der EU als erste nadelfreie Notfallbehandlung der Anaphylaxie zugelassen. ALK hat den Markteintritt in Deutschland Mitte 2025 gestartet.
  • Nach jeder Anaphylaxie braucht der Patient einen schriftlichen Notfallplan, zwei Autoinjektoren und eine Überweisung in eine spezialisierte allergologische Sprechstunde. Ohne Notfallplan ist Behandlungsversagen die Regel.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Wir bei nanoSPACE sind keine Ärzte. Bei Verdacht auf Anaphylaxie wenden Sie sich an einen Allergologen. Im Notfall rufen Sie die 112.

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Was eine Anaphylaxie ist und woran Sie sie erkennen

Die Anaphylaxie ist die schwerste Form einer allergischen Reaktion. Das Immunsystem überreagiert auf einen normalerweise harmlosen Reiz – eine Erdnuss, Bienengift, ein Medikament, Latex – derart heftig, dass innerhalb weniger Minuten Kreislauf und Atemfunktion zusammenbrechen können. Die Welt-Allergie-Organisation hat 2020 die Definition vereinfacht, damit Ärzte nicht mehr auf das Lehrbuchbild warten. Nach WAO 2020 reicht für die Diagnose die Erfüllung eines von zwei Kriterien.

Das erste lautet: plötzlicher Beginn mit Beteiligung von Haut oder Schleimhäuten (generalisierte Nesselsucht, Schwellung von Lippen, Zunge oder Uvula), kombiniert entweder mit Atemnot, Blutdruckabfall mit Kollaps oder schweren gastrointestinalen Symptomen mit Erbrechen. Das zweite, völlig eigenständige Kriterium ist ein plötzlicher Blutdruckabfall, Bronchospasmus oder Larynxödem nach Kontakt mit einem bekannten Allergen – auch ohne jede Hautbeteiligung. Und genau das ist wichtig: Bei bis zu einem Fünftel der tödlichen Anaphylaxien fehlt jeder Hautausschlag. Das verleitet Ärzte oft zur Diagnose Asthma-Anfall oder kardiogener Schock – und die Behandlung läuft in die falsche Richtung.

Die Schwere wird auf der fünfstufigen CoFAR/WAO-Skala klassifiziert, die hilft, den Grad der nötigen Intervention rasch festzulegen:

Grad Schweregrad Klinische Symptome
Grade 1 Leicht Ein Organsystem – lokalisierte Nesselsucht, mildes Jucken im Mund, leichte Übelkeit.
Grade 2 Mittel Mehrere Systeme, ohne unmittelbare Lebensgefahr – generalisierte Nesselsucht, leichte Schwellung, Erbrechen, leichte Bronchospastik mit Therapieansprechen.
Grade 3 Schwer Bedeutsame Atemwegs- oder Kreislaufbeteiligung – Stridor, schwere Atemnot, Blutdruckabfall, Verwirrtheit.
Grade 4 Lebensbedrohlich Bewusstlosigkeit, flüssigkeitsresistenter Schock, Bradykardie, Atemstillstand.
Grade 5 Tödlich Tod durch Schock oder Asphyxie.

Patienten können innerhalb weniger Minuten zwischen den Graden wechseln. Auch wenn jemand auf den ersten Blick „nur" Grad 2 zeigt, ist Abwarten selten klug. Unabhängige Studien aus 2021 und 2024 belegen denselben Befund: Eine Verzögerung der Adrenalingabe um mehr als 30 Minuten verdreifacht das Risiko einer biphasischen Reaktion — also der Rückkehr der Symptome nach scheinbarer Erholung (siehe weiter unten).

Die häufigsten Auslöser einer Anaphylaxie

Das Auslöserprofil verschiebt sich mit dem Alter. Bei Kindern stehen Lebensmittel ganz oben – sie verursachen rund 57 % der anaphylaktischen Episoden in der pädiatrischen Population. Im Säuglingsalter dominieren Kuhmilch und Hühnerei, ab dem Schulalter übernehmen Erdnüsse und Schalenfrüchte (Cashew, Walnuss, Haselnuss) die Führung. Diese Allergien begleiten viele Betroffene bis ins Erwachsenenalter, und das typische Profil eines tödlichen Nahrungsmittel-Anaphylaxie-Falls ist ein junger Erwachsener mit Nuss­allergie und schlecht eingestelltem Asthma.

Bei Erwachsenen verändert sich die Karte. Lebensmittel bleiben relevant, aber die Spitze übernehmen Medikamente (Penicillin- und Cephalosporin-Antibiotika, nichtsteroidale Antirheumatika) sowie Hymenopteren-Gift – Bienen, Wespen, Hornissen. Ein einziger Stich kann bei einem allergischen Erwachsenen innerhalb von Minuten einen schweren Kreislaufkollaps auslösen, oft ohne jede vorausgehende Hautreaktion. Wenn ein früherer Wespen- oder Bienenstich Schwindel, Atemnot oder ungewöhnliche Schwäche ausgelöst hat, gehört das in die allergologische Sprechstunde.

Die belastungsinduzierte Anaphylaxie verdient ein eigenes Kapitel. Etwa die Hälfte dieser Fälle folgt einem speziellen Muster: Der Patient isst ein bestimmtes Lebensmittel (meistens Weizen, typischerweise fünf Stunden vor der Belastung) und erst der nachfolgende Lauf oder das Krafttraining lösen die Reaktion aus. Der hauptverantwortliche Eiweißstoff bei Weizen ist Omega-5-Gliadin. Das Risiko steigt deutlich bei gleichzeitigem Alkohol- oder NSAID-Konsum – beide erhöhen die Darmpermeabilität und beschleunigen den Allergeneintritt ins Blut.

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So sieht eine beginnende Anaphylaxie aus – und wo Menschen Fehler machen

Das klinische Bild ist wandelbar. Am häufigsten beginnt es auf der Haut – in neun von zehn Fällen treten Nesselsucht, Schwellung oder Rötung auf. Siebzig Prozent der Patienten entwickeln respiratorische Symptome (Pfeifen, Husten, Engegefühl im Hals), fünfundvierzig Prozent kardiovaskuläre (Schwindel, schneller Puls, Kollaps) und derselbe Anteil hat gastrointestinale Beteiligung mit Erbrechen und Bauchkrämpfen.

Die gefährlichste Annahme ist die, dass eine Anaphylaxie einem Lehrbuch folgen müsse – erst Jucken, dann Quaddeln, dann Schwellung, dann Atemnot. Die Anaphylaxie verhält sich sehr oft anders. Ein Wespenstich bei einem älteren Erwachsenen oder eine intravenös gegebene Substanz im Krankenhaus können einen plötzlichen Kollaps mit Hypotonie als erstes und einziges Symptom auslösen – ohne Hautausschlag, ohne Schwellung, ohne Vorwarnung. Wer auf „richtige Quaddeln" wartet, kommt möglicherweise zu spät.

Der Symptombeginn hängt vom Eintrittsweg des Allergens ab. Nach einer injizierten Substanz oder einem Insektenstich startet die Reaktion typischerweise in 5–30 Minuten. Bei lebensmittelbedingter Anaphylaxie ist sie langsamer – die ersten Beschwerden treten innerhalb von Minuten bis zwei Stunden nach Verzehr auf. Diese Latenz täuscht oft: Ein Patient ignoriert ein leichtes Jucken am Gaumen nach dem Biss in eine Nuss und entwickelt eine halbe Stunde später ein Larynxödem. Plötzlicher Husten oder Engegefühl ohne Infekt kann bei einem bekannten Allergiker das erste Warnsignal sein.

Biphasische Anaphylaxie: die zweite Welle, die Sie überraschen kann

Auch wenn die Symptome nach Adrenalingabe abgeklungen sind, ist die Gefahr nicht zwangsläufig vorbei. Die biphasische Anaphylaxie bezeichnet das Wiederkehren der Symptome – ohne weiteren Allergenkontakt – im Mittel acht Stunden nach der ersten Reaktion, wobei Fälle bis 72 Stunden dokumentiert sind. Klinisch relevante zweite Wellen mit erneuter Adrenalin-Pflicht betreffen 0,2–2,3 % der Patienten. Wichtigste Risikofaktoren sind die verzögerte Erstdosis und die Notwendigkeit, mehrere Dosen zur Beherrschung der Erstreaktion zu geben. Deshalb wird der Patient nach Anaphylaxie laut EAACI 2021 mindestens 6–8 Stunden bei respiratorischer Beteiligung überwacht, bei Hochrisikoprofilen 12–24 Stunden (schwere Hypotonie, Bedarf mehrerer Adrenalindosen, Asthma in der Vorgeschichte).

Erste Hilfe bei Anaphylaxie: das EAACI-Protokoll 2021

Die Europäische Akademie für Allergologie und klinische Immunologie hat 2021 die Erste-Hilfe-Regeln umgeschrieben, mit einem klaren Ziel: jedes Hindernis für die sofortige Adrenalingabe zu beseitigen. Die Empfehlungen tragen den Status „STRONG" – die höchste Evidenzklasse. Der aktualisierte EAACI Anaphylaxis Guide V3 vom November 2024 ruht weiterhin auf denselben Säulen: Adrenalin in den Muskel, korrekte Lagerung, Notruf, keine Experimente mit anderen Wirkstoffen. Die deutsche AWMF-S2k-Leitlinie zur Anaphylaxie aus 2021 folgt der gleichen Linie und benennt intramuskuläres Adrenalin als alleinige Erstlinientherapie.

Schritt 1: Adrenalin in die anterolaterale Oberschenkelmuskulatur, sofort

Adrenalin ist das einzige Medikament, das die Ursache der Anaphylaxie behandelt. Sein Wirkmechanismus ist für die Situation maßgeschneidert: Alpha-1-Rezeptorenstimulation verengt die Gefäße und hebt den Blutdruck, Beta-1 stärkt das Herzminutenvolumen, Beta-2 erweitert die Atemwege und stabilisiert die Mastzellen. Damit stoppt die weitere Freisetzung von Histamin und Tryptase — den Entzündungsmediatoren, die die Mastzellen während einer allergischen Reaktion ins Blut abgeben.

Die Injektionsstelle ist immer der äußere mittlere Oberschenkel (Musculus vastus lateralis). Dort ist die Muskeldurchblutung am besten und die Resorption am schnellsten. Injiziert wird durch die Kleidung – keine Zeit zum Ausziehen. Die Dosierung richtet sich nach EAACI 2021 und der Fachinformation der Autoinjektoren nach dem Körpergewicht, nicht nach dem Alter:

  • Erwachsene und Jugendliche über 30 kg: 300 Mikrogramm (EpiPen, Jext, Fastjekt) oder 500 Mikrogramm (Emerade) — die höhere Dosis wird bei schwereren Erwachsenen bevorzugt
  • Kinder 25–30 kg: 300 Mikrogramm
  • Kinder 7,5–25 kg: 150 Mikrogramm (EpiPen Junior / Fastjekt Junior / Jext 150)
  • Kinder unter 7,5 kg: nur unter direkter ärztlicher Aufsicht (0,01 mg/kg)

Wenn sich die Symptome nach fünf Minuten nicht bessern, wird die Dosis wiederholt. Nur 2,2 % der Patienten reagieren nicht auf zwei intramuskuläre Dosen. EAACI 2021 warnt zugleich nachdrücklich vor der initialen intravenösen Gabe außerhalb einer Intensivüberwachung: In Fallserien war die i.v.-Gabe mit einer 13 % höheren Rate von Adrenalin-Überdosierungen und einer 8 % höheren Rate schwerer kardiovaskulärer Ereignisse verbunden als die intramuskuläre Gabe. Intravenöses Adrenalin gehört allein in die Hand eines Anästhesisten oder Intensivmediziners bei einem refraktären Schock unter EKG-Monitoring.

Schritt 2: Lagerung rettet so viele Leben wie das Adrenalin selbst

Beim anaphylaktischen Schock weiten sich die Gefäße und Blut sammelt sich in der Peripherie. Bis zu 35 % des zirkulierenden Volumens können den Zentralkreislauf innerhalb von zehn Minuten verlassen. Setzt sich der Patient in dieser Phase auf oder steht er auf, droht ein sofortiger Herzstillstand, der oft auf Reanimationsmaßnahmen nicht mehr anspricht. Die Ursache ist das sogenannte „leere Vena-cava-Syndrom" – das Herz hat nichts mehr zu pumpen.

Die Standardlagerung ist flach auf dem Rücken mit hochgelagerten Beinen. Ausnahmen sind kurz und einprägsam: Patienten mit ausgeprägter Atemnot ohne Blutdruckabfall sollen sitzen, um die Atemhilfsmuskulatur einzusetzen. Schwangere Frauen werden auf die linke Seite gelagert (sonst komprimiert der Uterus die Vena cava inferior). Bewusstlose Patienten mit Spontanatmung kommen in die stabile Seitenlage mit leicht überstrecktem Kopf.

Schritt 3: 112 anrufen – und welche Medikamente jetzt nicht helfen

Direkt nach der Adrenalingabe rufen Sie die Notrufnummer 112. Sagen Sie dem Disponenten: „Patient hat eine Anaphylaxie, ich habe gerade Adrenalin in den Muskel verabreicht." Diese Formulierung verkürzt das Dispositionsprotokoll und beeinflusst die Einsatzpriorität. Verharmlosen Sie es nicht als „allergische Reaktion" – der Disponent erkennt sonst die Dringlichkeit nicht.

Und nun, was in der Akutphase nicht funktioniert, obwohl es in vielen Hausapotheken liegt. Antihistaminika (Cetirizin, Loratadin) wirken erst nach Dutzenden Minuten und haben keinen Einfluss auf Hypotonie oder Larynxödem – in der Anaphylaxie dämpfen sie nur Juckreiz und Quaddeln und wiegen das Umfeld in falscher Sicherheit. Glukokortikoide (Prednisolon, Hydrocortison) entfalten ihre Wirkung erst nach 4–6 Stunden, wenn die akute Phase längst vorüber ist. Schlimmer noch: Retrospektive Daten zeigen, dass die Routinegabe von Kortikoiden das Hospitalisierungsrisiko nahezu verdreifacht – wahrscheinlich, weil Ärzte, die auf Kortison setzen, die Adrenalingabe verzögern.

Adrenalin-Autoinjektoren in Deutschland und Europa

Ein Autoinjektor ist ein vorgefülltes Pen-System mit Federmechanismus, das selbst medizinische Laien innerhalb weniger Sekunden durch die Kleidung in den Muskel applizieren können. Drei Marken dominieren den europäischen Markt, und die Verfügbarkeit verändert sich je nach Charge – fragen Sie immer Ihren Apotheker.

EpiPen, EpiPen Junior und Fastjekt

Marktführer im deutschsprachigen Raum. EpiPen 0,3 mg und das in Deutschland identische Präparat Fastjekt 300 µg sind für Erwachsene und Kinder über 30 kg. EpiPen Junior 0,15 mg beziehungsweise Fastjekt Junior 150 µg richten sich an Kinder mit 15–30 kg. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und das Paul-Ehrlich-Institut beobachten die Lieferfähigkeit und veröffentlichen Sicherheitshinweise zu Autoinjektoren regelmäßig.

Jext

Eine in Deutschland und Österreich gut etablierte Alternative, dosiert mit 150 µg oder 300 µg. Das Funktionsprinzip ist EpiPen ähnlich, aber die Bedienlogik unterscheidet sich – die Geräte sind nicht austauschbar, was das Muskelgedächtnis betrifft. Wechseln Patienten zwischen Marken, sollten sie mit dem Übungspen des neuen Geräts neu trainieren.

Emerade 150 / 300 / 500 µg

Aktuell vor allem in Österreich, Tschechien und einigen weiteren Ländern verfügbar; in Deutschland war Emerade in den letzten Jahren wegen eines Aktivierungsdefekts mehrfach Gegenstand von Rückrufen. Zwei praktische Vorteile bietet das Pen: eine höhere Dosis von 500 µg (relevant für Erwachsene mit höherem Körpergewicht) und eine längere Nadel, die das Risiko einer subkutanen Fehllage bei adipösen Patienten reduziert. Wenn Sie ein Emerade-Pen aus früherer Verschreibung besitzen, prüfen Sie mit dem Apotheker, ob Ihre Charge betroffen ist.

EURneffy: das Adrenalin-Nasenspray (Neuheit 2024–2025)

Im August 2024 hat die Europäische Kommission EURneffy 2 mg zugelassen – die erste nadelfreie Alternative zu Autoinjektoren seit über drei Jahrzehnten. Es handelt sich um ein Einzeldosis-Nasenspray mit Adrenalin, indiziert für Erwachsene und Kinder ab 30 kg. Über ALK Deutschland erfolgte der Markteintritt Mitte 2025; Deutschland war damit der erste EU-Markt mit Verfügbarkeit von EURneffy. Im Februar 2026 hat die Europäische Arzneimittel-Agentur die 1-mg-Variante für Kinder mit 15–30 kg empfohlen. Für Patienten mit ausgeprägter Spritzenangst oder praktischen Lager­problemen mit klassischen Autoinjektoren öffnet das Nasenspray eine echte zweite Verteidigungslinie. Sprechen Sie mit Ihrem Allergologen über Ihre individuelle Eignung.

Unabhängig vom gewählten Präparat gilt eine universelle Regel: Risikopatienten tragen immer zwei Pens bei sich. Das erste kann versagen, in das Unterhautfettgewebe statt in den Muskel injizieren oder schlicht nicht ausreichen – etwa jeder fünfte Patient benötigt eine zweite Dosis. Ein einzelner Autoinjektor ist unzureichende Absicherung. Und das Rezept allein hilft nicht: Im Stress des Notfalls liest niemand die Packungsbeilage. Üben Sie mit dem mitgelieferten Trainerpen – mit Familie, Partnerschaft, Lehrkräften und Kollegen.

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Notfallplan: was nach der Anaphylaxie zu tun ist

Die Bewältigung der Akutreaktion ist nicht das Ende, sondern der Anfang. Die EAACI definiert einen klaren Pfad, der entscheidet, ob die nächste Episode milder, gleich oder schlimmer verläuft. Erster Schritt ist die laborchemische Bestätigung der Diagnose: Aus der Vene wird die Serum-Tryptase abgenommen. Tryptase ist ein Enzym aus den Mastzellen, das ein bis zwei Stunden nach Reaktionsbeginn ihren Höhepunkt erreicht und innerhalb von 24 Stunden zur Norm zurückkehrt. Ein erhöhter Wert ist der biologische Fußabdruck der Anaphylaxie und schützt den Patienten vor einer später angezweifelten Diagnose.

Zweiter Schritt ist die verpflichtende Überweisung in eine spezialisierte allergologische Sprechstunde. Dort identifiziert der Allergologe den Auslöser (Hauttests, spezifisches IgE, gegebenenfalls kontrollierte Provokation) und versorgt den Patienten mit zwei Autoinjektoren. Der dritte – und am häufigsten unterschätzte – Schritt ist ein schriftlicher Anaphylaxie-Notfallplan. Ein einfaches, einseitiges visuelles Dokument, das Patient und Familie ständig griffbereit haben: in der Schultasche, am Kühlschrank, bei den Lehrkräften. Der Plan unterscheidet eine leichte Reaktion (orales Antihistaminikum) von einer schweren (Autoinjektor und 112). Ohne Notfallplan erstarren die Menschen in der Panik. Mit Plan haben Familie oder Ersthelfer einen Algorithmus, der für sie entscheidet.

Patienten mit Anaphylaxie in der Anamnese sollten zusätzlich einen medizinischen Notfallausweis oder ein Armband mit Hinweis auf den Auslöser tragen – im Bewusstlosen kann das die einzige Möglichkeit sein, dass das Rettungsteam versteht, was vorliegt. Hat der Patient zugleich eine Pollen- oder Hausstauballergie, lohnt sich die Reduktion der täglichen Allergenlast. Praktischer Tipp, den wir nanoSPACE-Kunden geben: ein allergendichtes Kissen oder Bettwarenset im Schlafzimmer (klinische Übersichten zeigen erhebliche Reduktion der nächtlichen Milbenallergen-Exposition), und eine FFP2-Nanofasermaske als einfache Barriere an Pollen-Hochlasttagen draußen. Beides ersetzt keine Anaphylaxie-Therapie, mindert aber die Summe der kleinen Reaktionen, die das Immunsystem auf Daueralarm halten.

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Zahlen, die zeigen, dass das nicht Theorie ist

Die Anaphylaxie nimmt zu – die aktuelle Schätzung liegt bei 46 Fällen pro 100 000 Personen pro Jahr. Krankenhauseinweisungen wegen schwerer allergischer Reaktionen haben sich in den letzten zwei Jahrzehnten verdreifacht. Die Sterblichkeit bleibt erfreulicherweise stabil (0,002 bis 2,51 Todesfälle pro Million pro Jahr) – Verdienst der besseren Akutversorgung.

Die Daten enthüllen auch eine unangenehme Wahrheit. In 70 % der tödlichen Fälle wurde Adrenalin entweder gar nicht oder zu spät verabreicht. Die Pens lagen im Rucksack, aber die Patienten hatten Angst, sie zu benutzen. Eltern erkannten die Symptome nicht und warteten auf den Rettungsdienst. Restaurants wussten nicht, dass die Soße Erdnüsse enthielt. Die Hälfte der Todesfälle ereignet sich innerhalb der ersten Stunde – ein schnellerer Rettungswagen hätte den meisten dieser Fälle nicht geholfen, weil die Reaktion schneller eskalierte als der Einsatz erfolgen konnte. Adrenalin in der Hand des Patienten oder des ersten Helfers ist die einzige Therapie, die rechtzeitig beim Betroffenen ankommt.

Das klassische Profil des tödlichen Anaphylaxie-Falls ist ein Jugendlicher oder junger Erwachsener mit Nussallergie und schlecht eingestelltem Asthma. Asthma ist hier ein massiver Risikomultiplikator – die hyperreagiblen Bronchien verschließen sich bei einer Reaktion blitzschnell. Wenn beide Diagnosen in einer Person zusammentreffen, gehört Wachsamkeit auf höchstes Niveau und der Autoinjektor an drei Orte: zu Hause, in der Schule, im Auto.

Praktische Fragen, die wir am häufigsten hören

Wie lange muss ich nach Adrenalingabe im Krankenhaus bleiben?

EAACI 2021 empfiehlt eine Beobachtung von mindestens 6–8 Stunden bei Patienten mit respiratorischer Beteiligung und 12–24 Stunden bei Hochrisikoprofilen (schwere initiale Hypotonie, mehr als eine Adrenalindosis, Asthma in der Vorgeschichte). Grund ist das Risiko der biphasischen Anaphylaxie, deren Symptome ohne weiteren Allergenkontakt zurückkehren.

Was, wenn ich nicht sicher bin, ob es eine Anaphylaxie ist?

Hat ein Risikopatient (frühere Anaphylaxie, Insektengift- oder bekannte Lebensmittelallergie) eine Kombination aus Symptomen – Atemnot und Quaddeln, Schwindel und Lippenschwellung, Erbrechen und Schwäche – wird Adrenalin gegeben. Adrenalin in standardisierter intramuskulärer Dosis schadet einem Gesunden nicht. Es verursacht maximal vorübergehendes Zittern, Herzklopfen und Blässe, die innerhalb von fünfzehn Minuten abklingen. Das Risiko, kein Adrenalin zu geben, übersteigt das Risiko der „unnötigen" Gabe um Größenordnungen.

Drei Botschaften zum Mitnehmen

Die Anaphylaxie wird in Sekunden gemessen, nicht in Stunden. Wenn Sie mit einer Allergie gegen Insekten, Nüsse, Milch, Medikamente oder etwas anderes leben, das der Allergologe als relevant eingestuft hat, tragen Sie immer zwei Adrenalin-Autoinjektoren bei sich und schulen Sie Familie, Partnerschaft, Kollegen und Lehrkräfte Ihrer Kinder in deren Anwendung. Drucken Sie den Notfallplan aus und kleben Sie ihn an den Kühlschrank – im Stress versagt das Gedächtnis, das Papier nicht. Und wenn die Reaktion beginnt, warten Sie nicht ab. Adrenalin in den Oberschenkel, flach auf den Rücken mit hochgelagerten Beinen, 112 anrufen. In dieser Reihenfolge. Das ist das gesamte Protokoll, das Menschen am Leben hält.

Häufig gestellte Fragen

Kann ich den Adrenalin-Autoinjektor durch die Kleidung anwenden?

Ja. EpiPen, Jext und Fastjekt sind so konstruiert, dass sie übliche Stoffe (Jeans, Pullover) durchdringen. Es gibt keine Zeit zum Ausziehen. Die Injektionsstelle ist immer der äußere mittlere Oberschenkel (anterolaterale Seite), wo die Muskeldurchblutung am besten und die Resorption am schnellsten ist.

Wann darf ich eine zweite Dosis verabreichen?

Wenn die Symptome nach fünf Minuten nicht nachlassen (anhaltende Atemnot, Hypotonie, fortschreitende Schwellung), geben Sie eine zweite Dosis aus dem zweiten Pen. Genau deshalb sollten Risikopatienten zwei Geräte tragen. Nur 2,2 % der Patienten reagieren auch auf zwei intramuskuläre Dosen nicht.

Wie lange ist Adrenalin im Autoinjektor wirksam?

Die Haltbarkeit beträgt typischerweise 18–24 Monate ab Herstellung (das Datum steht auf dem Pen). Prüfen Sie das Verfallsdatum vierteljährlich und kontrollieren Sie die Lösung im Sichtfenster – ist sie gebräunt, dunkel oder zeigt Kristalle, ersetzen Sie das Gerät sofort. Lagerung bei Raumtemperatur (unter 25 °C), nicht im Kühlschrank, niemals im überhitzten Auto.

Kann ich eine Anaphylaxie auf etwas haben, worauf ich nie reagiert habe?

Ja. Die erste klinisch erkennbare Reaktion kann zugleich der erste anaphylaktische Schock sein, weil die Sensibilisierung (Bildung spezifischer IgE-Antikörper) oft bei früheren, unbemerkten Expositionen stattfindet. Personen mit atopischem Ekzem, Asthma oder bestehender Lebensmittelallergie haben ein erhöhtes Risiko für die erste Episode. Jede ungewöhnlich starke Reaktion auf Lebensmittel, Medikamente oder Insektenstiche gehört zum Allergologen – warten Sie nicht auf eine schlimmere zweite Episode.

Wirkt das EURneffy-Nasenspray genauso gut wie ein klassischer Autoinjektor?

Die für die Zulassung von EMA, MHRA und FDA eingereichten klinischen Studien zeigten ein vergleichbares pharmakokinetisches Profil – ähnliche Anflutung und ähnliche Adrenalin-Spitzenspiegel im Blut. EURneffy ist für Erwachsene und Kinder ab 30 kg (2 mg) zugelassen, die 1-mg-Variante für Kinder mit 15–30 kg ist im Zulassungsverfahren. Es ist nicht für jeden geeignet: Bei stark verstopfter Nase während eines aktiven Heuschnupfenanfalls kann die Resorption reduziert sein. Die Verfügbarkeit erweitert sich 2025–2026 schrittweise – fragen Sie Ihren Allergologen nach dem aktuellen Stand.

Quellen

  • Cardona, V., Ansotegui, I. J., Ebisawa, M., et al. (2020) 'World Allergy Organization Anaphylaxis Guidance 2020', World Allergy Organization Journal, 13(10).
  • Muraro, A., Worm, M., Alviani, C., et al. (2021) 'EAACI guidelines: Anaphylaxis (2021 update)', Allergy, 76(5), 1493–1517.
  • EAACI (2024) 'Anaphylaxis Guide V3', European Academy of Allergy and Clinical Immunology.
  • AWMF (2021) 'S2k-Leitlinie zur Akuttherapie und zum Management der Anaphylaxie', Registernummer 061-025.
  • Paul-Ehrlich-Institut (2024) 'Sicherheitsinformationen zu Adrenalin-Autoinjektoren', PEI.
  • National Center for Biotechnology Information (2024) 'Fatal Anaphylaxis: Mortality Rates and Risk Factors', PMC10913226.
  • National Center for Biotechnology Information (2021) 'Biphasic Anaphylaxis: A Review of the Literature', PMC8323456.
  • National Center for Biotechnology Information (2021) 'Adrenaline and Corticosteroids in Anaphylaxis', PMC8139870.
  • European Medicines Agency (2024) 'EURneffy – European Public Assessment Report', EMA.
  • ALK-Abelló (2025) 'Markteinführung EURneffy Nasenspray in Deutschland', Pressemitteilung 2025.
  • Greiwe, J., Bernstein, J. A. (2025) 'Optimizing Adrenaline Administration in Anaphylaxis: Clinical Practice Considerations and Safety Insights', PMC12328063.
Lukáš Konečný, Strategie & Entwicklung bei nanoSPACE
Lukáš Konečný ist seit 2015 im Bereich Nanotechnologie tätig. Er hat an der Wirtschaftsuniversität Prag studiert und spezialisiert sich auf digitales Marketing, Automatisierung und Geschäftsentwicklung für Technologieunternehmen. Seit Mai 2020 ist er bei nanoSPACE für Strategie und Unternehmensentwicklung verantwortlich.